Das war kein guter Auftakt für Horst Seehofer mit seinem Heimatmuseum auf der Pressekonferenz. Viel wurde über seinen Versprecher gelacht, zu Recht. Dabei sind die Themen, die Seehofer mit seinem neuen Superministerium bearbeiten will echte Probleme und alles andere als lustig.

„Gleichwertige Lebensverhältnisse“, „Raumordnung und Landesplanung“  und „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ sind die Aufgaben des Heimatministeriums. Die neue MANNschaft – Frauen gehören da vermutlich ja nicht zu den Entscheidungsträgern – soll hierfür Konzepte entwickeln. Die Umsetzung erfolgt in den zuständigen Ministerien. Na, da wird man sich freuen.

Über die Sinnhaftigkeit einer bundesweiten Raumordnung und Landesplanung kann man vortrefflich streiten. Gerade im ländlichen Raum wird man sich aber für die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse begeistern können, nachdem nach Schlachter, Bäcker und der Sparkasse vielerorts nun auch die Gasthöfe dichtmachen. Hinzu kommen das nichtvorhandene Mobilfunknetz und ein viel zu langsames Internet – Baustellen sind also genug da. In Bayern konnte das Heimatministerium mit der gezielten Ansiedlung von öffentlichen Einrichtungen in strukturschwachen Regionen einiges bewegen. Dort wurden Arbeitsplätze geschaffen. Die Ballungsräume konnten entlastet werden. Hier kann man dem Minister nur allen Erfolg wünschen. Denn durch die immer rasantere Veränderung der vertrauten Umgebung in Stadt und Land gleichermaßen kann auch ein Gefühl der Heimatlosigkeit bei den Betroffenen entstehen. Das ist sozialer Sprengstoff und eine echte Gefahr für unsere Demokratie.

Hier kommt der gesellschaftliche Zusammenhalt ins Spiel. Horst Seehofer will zukünftig für Wertefragen zuständig sein, Sport, Ehrenamt, den Dialog der Religionen. Das macht Angst. Bisher hat sich der Minister ja vor allem dadurch hervorgetan, Gruppen auszuschließen. Wie soll das den Zusammenhalt stärken? Wie soll man einen echten Dialog der Religionen führen, wenn man der zweitgrößten Gruppe Gläubiger die Zugehörigkeit zu unserem Land abspricht? Ja gut, die Muslime gehören ja doch irgendwie dazu. Weil‘s nicht anders geht, der Islam aber nicht, bitteschön! Frauen gehören auch nicht dazu. Zumindest nicht ganz vorne und nicht ganz oben. Lesben und Schwulen sollen auch nicht so ganz dazu gehören. Wobei dieses Thema derzeit flacher gehalten wird, denn selbst in Bayern bringt das die Volksseele nicht mehr zum kochen. Die gesellschaftliche Realität hat vielfach die Politik der CSU längst abgehängt. Die betreibt lieber – getrieben vom rechten Rand – gefährliche Ausschlusseritis. Aber wer ist als nächstes raus? Die Atheisten? Die Linken oder erstmal die Grünen? Die Vegetarier oder nur die Veganer? Oder lieber die Hippster, die Jens Spahn so doof findet?

Heimat prägt unsere Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Werte. Heimat sind die Menschen, die uns beeinflussen. Heimat ist Oberammergau genauso wie Berlin-Prenzlauer Berg, Vorpommern wie Duisburg-Marxloh. Die Einflüsse sind andere. Die Probleme sind unterschiedlich. Die Antworten sind vielschichtig. Es bleibt abzuwarten, welche Antworten das neue Heimatministerium geben wird. Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wurde bisher jedenfalls wenig getan. Das Spalten muss aufhören. Es reicht nicht, Frau von Storch der Brandstiftung zu bezichtigen, wenn die CSU selber im Feuer schürt. So schafft man keinen gesellschaftlichen Zusammenhalt.  Lieber sollte sich der neue Superminister um die echten Probleme vor den vielen bunten Haustüren dieser Republik kümmern.  Denn unsere Heimat ist vielfältig. Vor allem aber ist genug Heimat für alle da.