Der Trend geht zu einer Werbung, die auf einzelne Personen zugeschnitten ist. Dafür braucht man Informationen über diese Personen, also über uns alle. Diese Informationen werden geschickt abgegriffen, wenn wir zum Beispiel mit unseren Freunden in allen Lebenslagen kommunizieren, in sozialen Medien Fragen wie „Was machst Du gerade?“ bereitwillig beantworten und nicht zuletzt unser Handy überall dabeihaben und natürlich auch nutzen.
Aber der Handel mit unseren Daten – ob mit oder ohne unsere Einwilligung – ist nicht nur ein Milliarden-Geschäft. Durch die manipulative Nutzung unserer persönlichen Daten findet auch ein Eingriff in unsere Privatsphäre statt. Telefonwerbung ist wegen eines weit geringeren Eingriffs in die Privatsphäre bereits verboten.
Es stellt sich daher die Frage, ob in Sachen personalisierter Werbung die Politik nicht umso mehr gefordert ist, dem Wildwuchs der legalen und illegalen Datensammlung Einhalt zu gebieten, indem diese Art der manipulativen Werbung schlichtweg verboten wird, zumal von diesen Möglichkeiten der Manipulation offensichtlich auch in anderer Weise Gebrauch gemacht wird:
Nach Aussagen des ehemaligen Mitarbeiters von Cambridge Analytica, Christopher Wylie, soll mithilfe personalisierter Daten nicht nur Wahlkampfhilfe für Donald Trump, sondern auch für den sogenannten Brexit stattgefunden haben.
Personalisierte Werbung befördert mit ihren lockenden Milliarden-Gewinnen somit nicht nur die Begehrlichkeit auf personenbezogene Daten und damit auch eine illegale Beschaffung solcher Daten, sondern liefert gleichzeitig die Voraussetzung für eine politisch manipulative Nutzung dieser Daten – ein Grund mehr, über ein Verbot manipulativer Werbung auf Basis personenbezogener Daten nachzudenken.

Dieser Beitrag wird nicht ganz ohne Absicht bei Facebook hineingestellt.

Sigrid Richter
Mitglied der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF)
der SPD Stade