Vor einigen Wochen musste ich auf der überregionalen 1. Seite des STADER TAGEBLATTS lesen: „Gabriel trommelt für Elbausbau“ ‚Bundeswirtschaftsminister findet EU-Rechtsprechung schwer zu ertragen‘.
Ich bin nun 40 Jahre Mitglied in einer Partei, von der ich immer geblaubt habe, dass sie zwar Arbeitnehmerinteressen sozial vertritt, aber auch ökologisch sich für eine lebenswerte Umwelt einsetzt. Wie kommt ein Parteivorsitzender und sozialdemokratischer Wirtschaftsminister dazu, sich in der Öffentlichkeit so unqualifiziert zu äußern? Oder hat der Genosse Gabriel sich vorher intensiv mit dem Für und Wider einer Fahrrinnenanpassung der Elbe aueinandergesetzt? Ich habe da meine starken Zweifel!
Wir alle im Landkreis Stade wissen, wie wichtig Hamburg für uns als überregionaler Wirtschaftsstandort auch im Unterelberaum ist. Aber man kann nicht permanent die ökonomische Entwicklung gegen die Sicherheit der Unterelbebewohner aufrechnen.
Der Fahrrinnenanpassungsantrag Hamburgs wurde 2002 eingereicht – übrigens die 6. Anpassung – und bei nicht schneller Verwirklichung wurde/wird mit immensen wirtschaftlichen Schäden argumentiert. Wir schreiben jetzt das Jahr 2014 und lesen regelmäßig über die Erfolge der Hamburger Umschlagsstatistik. Das ist auch nicht unlogisch, denn trotz immer größerer Containerschiffe ist Hamburg nie der letzte Ladehafen und nie der erste Löschhafen. Der Maximaltiefgang wird somit nicht erreicht. Bei der Schiffsbreitenentwicklung und möglichem Begegnungsverbot ist das etwas differenzierter zu sehen, aber meiner Meinung nach organisatorisch zu lösen.
Was spricht gegen eine weitere Fahrrinnenanpassung?:

  • Die Elbe hat seit 1975 über 75 % der Vordeichsflächen verloren,
  • der Tidenhub ist seit 1971 um über 1 m gestiegen,
  • damit Erhöhung der Fließgeschwindigkeit und kürze Sturmflutwarnzeiten,
  • Erhöhung der Hochwasserverweilzeiten bei Sturmfluten,
  • damit stärkere Deichbelastung und Erosion,
  • Verschiebung der Brackwasserzone elbaufwärts,
  • größere Sauerstoffabnahme in kritischen Wettersituationen („geringere Lungenflügelkapazität“),
  • Verschlickungsproblematik der Nebenelben,
  • dramatischer Anstieg des Elbe-Baggervolumen: 1999 noch 2 Mio m² p.a., zwischenzeitlich über10 m².

Wohin mit dem Baggergut? Verklappung z. Z. in Elb’Löchern‘, die wieder naturbedingt sich entleeren.
Dieses sind nur einige Gegenargumente. Die angeblich anstehende Fahrrinnenanpassung ist eine gewaltige Geldvernichtungsmaschine. Deshalb ist die Kooperation der drei deutschen Überseehäfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven unerlässlich. Insbesondere sollte eine Stärkung des einzigen Tiefwasserhafen der Bundesrepublik ‚Wilhelmshaven‘ mit einem Gewinnverteilungvertrag möglich sein.
Dafür sollte sich unser Parteivorsitzender und Wirtschaftsminister einsetzen!

Egon Ohlrogge, Kapt./StD