Am 12. März 2014 hat sich der Arbeitskreis „Geschichte der SPD im Landkreis Stade“ konstituiert. Der Arbeitskreis war nach den erfolgreichen Vorarbeiten im Jubiläumsjahr 2013 beschlossen worden, nachdem bereits eine überraschend große Anzahl von bedeutenden Dokumenten aus Privatbesitz gesammelt und Interviews geführt werden konnten. Die Arbeit und die Ergebnisse des Arbeitskreises sollen kontinuierlich auf der Homepage www.mai-1863.de ins Netz gestellt werden und zur weiteren Mitarbeit anregen.

Was ist zu tun? Eine große Aufgabe wird die Sicherung und Aufarbeitung der Geschichte der SPD nach der Befreiung 1945 sein. Dazu soll das vorhandene Material in den Ortsvereinen und beim Archiv der sozialen Demokratie in Bonn gesichtet, Nachlässe von Genossinnen und Genossen gesichert und bearbeitet werden.

Die zweite große Aufgabe wird sein, die bereits im vergangenen Jubiläumsjahr der SPD begonnene Reihe der Interviews von Zeitzeugen fortzusetzen und deren Erinnerungen auch textlich festzuhalten. Aus diesem Mosaik kann so ein sicher lückenhaftes Bild des Lebens der arbeitenden Menschen entstehen, die sich in Vereinen, Kreisen, Krankenkassen, gewerkschaftlichen Organisationen und schließlich Parteien verbinden, ein Kontrast zu der obrigkeitlichen Überlieferung, die den Alltag nicht abbildet. Der Arbeitskreis wird versuchen, hier möglichst viele Menschen zur Mitarbeit anzuregen.

Die Bildung des Arbeitskreises ist also auch ein Aufruf an die Menschen im Landkreis Stade und darüber hinaus, sich zu erinnern und zu suchen – im eigenen Zuhause, in Nachlässen, mit ihren Verwandten und Freunden.

In diesem Jahr ist es ein Jahrhundert her, dass die Herrschenden in den Staaten Europas mit dem lange vorbereiteten Krieg begannen, der zum Ersten Weltkrieg wurde; nicht nur, aber besonders Deutschland.

Die arbeitenden Menschen und ihre Familien in ganz Europa wurden zu Opfern; hier wird es in vielen Familien noch Fotos, Postkarten, Briefe, Erinnerungen von Großeltern oder Urgroßeltern geben, über den Krieg an der Front, wie auch über das Leiden und den zunehmenden Hunger in der Heimat. Die meisten Sozialdemokraten und Gewerkschafter waren, wenn sie es überlebten, die gesamten vier Jahre im Krieg und kehrten verwundet zurück, beispielsweise Ludwig Jürgens, seit 1920 Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Stade, oder Arnold Winners, ein Musiker, der wegen seiner Verwundung nicht mehr spielen konnte und sich als Schulhausmeister durchschlagen musste. Heinrich Waller, in der Weimarer Republik lange Vorsitzender der örtlichen Gewerkschaftsorganisation, war mit der Vorkriegszeit insgesamt 7 ½ Jahre Soldat und hatte das Eiserne Kreuz II erhalten.

Über diese Drei – stellvertretend genannt – ist wenigstens einiges bekannt, ähnliche oder abweichende Schicksale haben unzählige Familien gehabt und erlitten. Ihren Alltag will der Arbeitskreis sichtbar machen und hofft dabei auf Hilfe und Unterstützung.

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Dr. Jürgen Bohmbach

Oliver Kellmer